Grün- oder Graustromspeicher? Warum dieselbe Batterie zwei Geschäftsmodelle sein kann
Zwei Angebote, zwei Batterien, dieselben Zellen und derselbe Umrichter – und trotzdem stehen im einen Angebot doppelt so hohe Erlöse. Das liegt selten am besseren Anbieter. Meist liegt es daran, dass zwei verschiedene Geschäftsmodelle gerechnet werden. Der Unterschied steckt nicht in der Hardware, sondern darin, woher der Strom kommt, den der Speicher aufnimmt.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Grünstromspeicher gehört zu Ihrer PV-Anlage. Er nimmt ausschließlich deren Strom auf und ist damit wirtschaftlich ein Teil der Anlage, kein eigenes Handelsgeschäft.
- Sein Wert entsteht aus dem Erzeugungsprofil Ihrer Anlage – er verschiebt die Mittagsspitze in die teure Abendstunde und rettet Energie aus Stunden, in denen die Einspeisung nichts einbringt.
- Damit steht auch seine Obergrenze fest: Er kann nur speichern, was Ihre Anlage erzeugt, und nur dann, wenn sie erzeugt. Nachts und im Winter steht er still.
- Der Graustromspeicher lädt aus dem Netz, ist wetterunabhängig und verdient deshalb mehr. Er ist ein anderes Geschäft – mit anderen Anforderungen am Netzanschluss und vollem Marktrisiko.
- Unser Rechner rechnet den Grünstromspeicher. Wer zwei Angebote vergleicht, sollte zuerst fragen, welches der beiden Modelle dahintersteht.
Der Speicher steht nicht neben der Anlage – er gehört zu ihr
Ein Grünstromspeicher wird gemeinsam mit der PV-Anlage geplant und teilt sich mit ihr den Netzverknüpfungspunkt. Er nimmt auf, was die Anlage gerade mehr erzeugt, als eingespeist werden soll, und gibt es später ab. Er kauft nichts zu.
Das klingt nach einem technischen Detail, entscheidet aber alles: Seine Erlöse hängen am Erzeugungsprofil Ihrer Anlage, nicht an einem Handelskalender. Drei Effekte tragen ihn.
1. Er löst das Problem, das Photovoltaik sich selbst macht
Ihre Anlage erzeugt am meisten, wenn alle anderen Anlagen ebenfalls am meisten erzeugen: mittags, im Sommer, bei klarem Himmel. Genau dann ist Strom an der Börse am billigsten – an guten Tagen kostet er nichts mehr, sondern etwas. Abends dreht sich das um: Die Sonne ist weg, der Verbrauch nicht.
Woher der Preisunterschied kommt, an dem der Speicher verdient
Der Speicher nimmt die Mittagsspitze auf und gibt sie in die Abendstunden ab. Der Wert entsteht aus dem Preisunterschied innerhalb desselben Tages – und dieser Unterschied ist überhaupt erst da, weil so viel Photovoltaik gleichzeitig einspeist. Der Speicher verdient also an dem Problem, das seine eigene Anlage mit verursacht.
2. Er rettet die Stunden, in denen Einspeisen nichts einbringt
Läuft der Börsenpreis lange genug negativ, entfällt für diese Zeit die Förderung (§ 51 EEG). Wer dann einspeist, bekommt für diese Viertelstunden nichts.
Was der Speicher in genau diesen Viertelstunden aufnimmt, wird nicht eingespeist – und später zu einem Preis verkauft, der wieder oben ist. Aus einer Viertelstunde ohne Erlös wird eine mit. Das ist kein Nebeneffekt, sondern bei Anlagen mit vielen Negativstunden der zweitgrößte Hebel des Speichers. Unser Rechner weist deshalb aus, wie viele Viertelstunden mit negativem Preis Ihr Speicher auf diesem Weg vermeidet.
3. Er nimmt auf, was der Netzanschluss nicht durchlässt
Viele Anlagen dürfen am Verknüpfungspunkt nicht mit voller Leistung einspeisen. Was über der Grenze liegt, geht ohne Speicher verloren; mit Speicher wird es später eingespeist, wenn wieder Platz ist.
Warum seine Erlöse eine Obergrenze haben
Ein Speicher kann technisch mehrere Ladungen am Tag fahren. Ein Grünstromspeicher tut es meistens nicht – nicht, weil die Batterie es nicht könnte, sondern weil die Anlage nicht liefert. Nachts gibt es nichts zu speichern. Im Winter wenig. An trüben Tagen reicht die Erzeugung kaum über den Eigenbedarf.
Warum die Zahl der Vollzyklen keine freie Annahme ist
Die Zahl der Vollzyklen im Jahr ist deshalb keine freie Annahme, sondern ein Ergebnis: Sie folgt aus dem Erzeugungsprofil. Wer sie höher ansetzt, als das Profil hergibt, rechnet einen Speicher, den es an dieser Anlage nicht gibt.
Daraus folgt der Satz, der diesen Artikel trägt: Der Erlös eines Grünstromspeichers ist systematisch niedriger als der eines netzgeladenen – und das ist keine vorsichtige Annahme, sondern ein anderes Geschäftsmodell.
Was der Graustromspeicher anders macht
Ein netzgeladener Speicher ist von der Sonne unabhängig. Er lädt, wenn Strom billig ist, und gibt ab, wenn er teuer ist – auch nachts, auch im Dezember. Er fährt dadurch mehr Zyklen im Jahr und kann Marktsegmente bedienen, die einem Grünstromspeicher verschlossen bleiben.
Was er dafür in Kauf nimmt – drei Punkte
- Er trägt das volle Marktpreisrisiko. Es gibt keine geförderte Grundlage, auf der er aufsetzt.
- Er braucht einen Netzanschluss für Bezug und Einspeisung. Für viele Projekte ist das die eigentliche Hürde – nicht das Kapital, sondern die zugesagte Bezugskapazität im Verteilnetz.
- Er ist ein anderes Betriebskonzept. Ob und wie ein Speicher grün oder grau betrieben wird, ist eine Frage des Mess- und Betriebskonzepts und wird bei der Planung festgelegt, nicht nachträglich.
Beides sind sinnvolle Geschäftsmodelle. Sie sind nur nicht dasselbe – und ihre Zahlen darf man nicht nebeneinanderstellen, als wären sie es.
Fünf Fragen an ein Speicherangebot
- Grün oder grau? Nicht „darf der Speicher aus dem Netz laden", sondern: Welches Mess- und Betriebskonzept liegt der Rechnung zugrunde?
- Wie viele Vollzyklen im Jahr – und woher stammt die Zahl? Bei einem Grünstromspeicher muss sie aus dem Erzeugungsprofil folgen. Eine runde Zahl ist ein Warnzeichen.
- Steht die Ersatzinvestition im Cashflow? Eine Batterie hält die Betrachtungsdauer selten durch. Wird sie nur im Risikotext erwähnt und nicht im Zahlenwerk, fehlt sie.
- Rechnet das Modell über die ganze Laufzeit mit voller Kapazität? Speicher altern. Wer mit konstanter Kapazität rechnet, rechnet die letzten Jahre zu gut.
- Welcher Anteil des Erlöses hängt an welchem Markt? Und mit welcher Bandbreite – oder steht dort ein einzelner Wert?
Die ersten vier können Sie mit unserem Rechner selbst durchspielen.
Was unser Rechner tut
Wir rechnen den Grünstromspeicher, und zwar viertelstundengenau über ein volles Jahr echter Börsenpreise – 35.040 Viertelstunden: Geladen wird ausschließlich aus eigener Erzeugung, entladen wird nur, was vorher geladen wurde, und der Füllstand überschreitet nie die Kapazität. Weil eine perfekte Preiskenntnis niemand hat, setzen wir vom rechnerischen Optimum standardmäßig 60 Prozent an.
Wir rechnen jetzt auch den Graustromspeicher – auf anderer Grundlage
Seit August 2026 lässt sich im Rechner die Speichervariante wählen. Am Grünstromspeicher ändert das nichts: Er wird weiter viertelstundengenau aus den eigenen Erzeugungsdaten gerechnet, mit Prognoseabschlag.
Für den Graustromspeicher greifen wir auf einen veröffentlichten Marktindex zurück und rechnen ihn für Ihre Anlage um – über die Leistung und die eingetragene Entladetiefe. Der Index ist ein oberer, theoretischer Wert; angesetzt wird davon standardmäßig ein Anteil von 80 %.
Was das für den Vergleich bedeutet: Beide Zahlen tragen einen Abschlag, aber er misst Verschiedenes. Beim Grünstromspeicher ist es unser eigener Prognosefehler auf einer viertelstundengenauen Rechnung; beim Graustromspeicher der Abstand zwischen einem fremden Index und einer einzelnen Anlage. Auf gleichen Bedingungen verglichen sind die beiden Erlöse deshalb nicht.
Was dabei herauskommt, ist bewusst keine Höchstzahl. Es ist die Zahl, die Sie einem Angebot entgegenhalten können.
Speicher jetzt durchrechnenWie wir rechnen, steht vollständig offen in „Wie wir rechnen". Preisdaten aus SMARD (Bundesnetzagentur, CC BY 4.0). Stand dieses Artikels: 16. August 2026.
Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Angaben ohne Gewähr; welches Betriebskonzept für Ihr Vorhaben in Frage kommt und was daran hängt, klären Sie mit Ihrem Netzbetreiber und fachkundiger Beratung.